Aktuell: Baumbesetzung in Lacoma oder Was kommt nach der Kohle?
Kohlekiller Transparent
Das Ohr der geschundenen Lausiter Erde

Seit dem 17. September haben Aktivisten von RobinWood in Lacoma bei Cottbus wieder die alten Eichen am Hammergraben besetzt und protestieren gegen die Abbaggerung, obwohl dazu am 11. Juli endgültige gerichtliche Entscheidungen gefallen sind. Für Mittwoch hatte Vattenfall zum Pressegespräch eingeladen und auch hier an die Besetzer appelliert, friedlich abzuziehen. Gestern wurde Strafanzeige erstattet. Derzeit ist der Tagebau ca. 60 m vom Hammergraben entfernt. Wenn am 15. 10. nicht die Holzarbeiten und die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen sind, muß der Tagebau angehalten werden.
Gleich nach der Pressekonferenz machte ich mich auf den Weg nach Lacoma. Im Versorgungscamp fand sich eine junge Frau, die mich zu den Besetzern begleiten wollte. Zuerst trafen wir Eichhörnchen. Die junge Frau aus Lüneburg hält seit dem letzten Wochenende hier eine Eiche besetzt. Wenige Bäume weiter hat Erik sein Quartier bezogen. Er ist schon seit dem 17. vor Ort und erklärte mir, das mehrere Bäume für ein längeres Ausharren ausgestattet wurden. Die Technik vor Ort erfüllt moderne Sicherheitsstandards. Die Baumbesetzer sind geübte Kletterer. Um Risiken vor Ort zu minimieren, absolvierten sie ein spezielles Training. Erik kommt aus dem Schwarzwald. Er ist aber der Meinung, das die Hälfte der Leute vor Ort aus der Lausitz stammt. Warum er trotz Gerichtsurteil noch protestiert, ist einfach erklärt. Er versteht nicht, wieso für Profit ständig neuer Naturraum zerstört werden muß und möchte dagegen ein Zeichen setzen. Natürlich können nicht alle Kohlegegner in die Bäume klettern, einen Wechsel hin zu einem Öko-Stromanbieter dagegen könnten alle schaffen.
Gegen 13:00 Uhr trafen Angestellte aus dem nahen Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde ein, um mit den Besetzern zu diskutieren.
Auch ich musste mich in die Diskussion einmischen. War doch tatsächlich eine Dame aus dem Kraftwerk der Meinung, die weitere Wasserabsenkung füge der Lausitz keinen Schaden zu. Natürlich wurde auch die Frage nach Alternativen kontrovers diskutiert. Mir fiel wieder der Redner von Enertrag auf dem letzten Energietag an der BTU mit seinem Spruch: "wir tun so als würden wir unser eigenes Haus verheizen..."ein und verließ die Runde ohne einen "richtungsweisenden" Abschied. Bei der Heimfahrt stellte ich mir die Fragen: Was kommt nach der Kohle? Was werden unsere Enkel in der leergepumpten Region mit ihren sauren Seen anfangen?

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Text und Foto F.J. 26.09.07